Circular Ecoysystems: Die verknüpfende Rolle von Intermediären

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Julian Mast

Circular Ecoysystems: Die verknüpfende Rolle von Intermediären

Julian Lauten-Weiß von der Bergischen Universität Wuppertal beleuchtete im #CEresearchNRW-Webseminar vom 14.03.2024 die Transformation der Wirtschaft hin zu einer Circular Economy im Kontext zirkulärer Ökosysteme.

Hierbei untersuchte er, welche Herausforderungen und Lösungsstrategien bei einer Zusammenarbeit von Startups und anderen Akteuren wie etablierten Industriebetrieben zu erwarten sind, die gemeinsam zirkuläre Lösungen entwickeln möchten. Ziel der Forschungsarbeit seiner Kollegen und ihm war das nähere Verständnis der Entstehung eines unternehmerischen Ökosystems. Seine Konzepte erläuterte Lauten-Weiß mittels empirischer Daten aus der Rhein-Ruhr-Region. Lauten-Weiß betonte dabei besonders die intermediäre Wirkung von Organisationen, die verschiedene (privatwirtschaftliche und staatliche) Akteure zusammenbringen und zu neuen Kooperationen anregen.

Das Ökosystem – Lehnwort aus der Biologie

Ein natürliches Ökosystem besteht aus diversen verschiedenen Tier- und Pflanzenarten, die auf einer geografisch abgesteckten Fläche symbiotisch im ständigen Austausch miteinander stehen. Durch diese enge Vernetzung werden sämtliche Stoffströme weiterverwendet und es gibt keinen „Abfall“.

Anhand des Beispiels Industriepark Kalundborg in Dänemark zeigte Lauten-Weiß auf, dass industrielle Ökosysteme diese natürlichen Ökosysteme zum Vorbild nehmen und verschiedene Akteure regional vernetzt sind und so Material- und Energieflüsse von anderen Akteuren nutzen können. Auf diese Weise wird ein zirkuläres und geschlossenes System geschaffen.

Lauten-Weiß und Kollegen definieren daher die unternehmerischen Ökosysteme als regionale Netzwerke voneinander abhängiger Akteure und Institutionen. Hierbei erkunden Akteure ihre jeweiligen Geschäftschancen und entwickeln gemeinsam mit anderen Akteuren kollaborative Geschäftsmodelle, in denen sich die Fähigkeiten und Leistungen aller Akteure ergänzen. Im optimalen Falle übersteigt der Gesamtnutzen der kollaborativen Leistungserbringung die Summe aller einzelnen Leistungen der Akteure.

Zirkuläre Wertschöpfung unter der Linse institutioneller Logiken

Im Rahmen der Entstehung zirkulärer Wertschöpfung sind Startups oftmals auf die Zusammenarbeit mit etablierten Industrieunternehmen angewiesen. Dabei kann es durchaus zu einem Aufeinandertreffen verschiedener gegensätzlicher Perspektiven und Logiken kommen. Institutionelle Logiken werden definiert als sozial konstruierte, historische Muster von Praktiken, Annahmen, Werten, die die jeweiligen Entscheidungsträger in deren Entscheidungsfindungsprozess lenken und ggf. einschränken.

Die Entwicklung zirkulärer Lösungen erfordert die drei verschiedenen und teilweise gegensätzlichen Entrepreneurship-, Industrie- und Circularity-Logiken. Während die Industrie-Logik vor allem inkrementelle Entwicklungen fördert und auf Sicherheit bedacht ist, zeichnet sich die Entrepreneurship-Logik durch eine hohe Agilität aus, im Rahmen derer alle Chancen ergriffen werden sollen, die sich auftun. Das augenscheinlichste Charakteristikum der Circularity-Logik ist das Entwickeln eines holistischen Ökosystems, im Rahmen dessen alle anfallenden Stoff- und Energieströme mitgedacht und berücksichtigt werden.

Intermediäre als Treiber der Hybridisierung

In 28 qualitativen Interviews mit Startups, Intermediären und industriellen Partnerunternehmen zeigte sich, dass die verschiedenen Logiken teilweise unterschiedliche Verständnisse und Auffassungen aufwiesen, die eine Zusammenarbeit behinderten. Diese Hindernisse, die an den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Logiken auftraten, konnten durch das Beitragen der sogenannten Intermediäre überwunden werden. Dieser Prozess wird dabei auch als Hybridisierung bezeichnet. Die Intermediäre, wie bspw. Wirtschaftsförderungen, können Entrepreneure dabei unterstützen, Partnerschaften und Kooperationen mit anderen, etablierten Betrieben, Forschungseinrichtungen, Regierungsbehörden und anderen relevanten Akteuren aufzubauen. Diese Netzwerke sind entscheidend für den Austausch von Wissen, Ressourcen und Erfahrungen sowie für die Zusammenarbeit bei der Entwicklung innovativer Lösungen für die Kreislaufwirtschaft. Der entsprechende Forschungsartikel gibt weitere Auskunft über diese Prozesse und soll im Laufe des Jahres veröffentlicht werden.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme über die gesamte Reihe des Web-Seminars! Diese Ausgabe war die letzte Ausgabe, die im Rahmen des Prosperkolleg-Projekts stattgefunden hat. Wir freuen uns, dass wir das Format dennoch weiter aufrechterhalten können und möchten Sie daher einladen, auch bei unseren künftigen Ausgaben des #CEresearchNRW-Webseminars teilzunehmen. Über Inhalte und Termine informieren wir Sie über unseren Verteiler. Wir freuen uns auf das nächste Seminar mit Ihnen!

Bis dahin, Ihr (ehemaliges) Prosperkolleg-Team